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Tschechien

Havel nám chybí. Havel fehlt uns

Die Samtene Revolution (Sametová revoluce) katapultierte den außerhalb von Dissidentenkreisen in der Tschechoslowakei praktisch unbekannten Dramatiker Václav Havel innerhalb von wenigen Wochen ins Präsidentenamt. Obwohl er bis dahin nie ein politisches Amt innehatte und trotz eines leichten Sprachfehlers, was für ein Staatsoberhaupt nicht unbedingt förderlich ist – Havel konnte wie übrigens auch Lenin kein Zungen-R aussprechen, wofür es im Tschechischen das Verb ráčkovat gibt – war Havel der einzige logische Kandidat für diesen Posten, so sein langjähriger Weggefährte und heutige Leiter der Prager Václav-Havel-Bibliothek Michael Žantovský. Einziger ernsthafter potenzieller Gegenkandidat war für eine kurze Zeit die Gallionsfigur des Prager Frühlings von 1968 Alexander Dubček. Ob der Dramatiker auch selbst aus innerer Überzeugung dieses Amt anstrebte, wird wohl nie zu erfahren sein. Tatsächlich zögerte Havel und stellte sich die Frage, ob er wirklich der richtige Kandidat sei. Weder Havel noch die Personen aus seinem Umfeld verfügten über irgendwelche Erfahrungen, die sie auf die großen Aufgaben der Transformation vorbereitet hätten. Der künftige Präsident kommentierte diesen Umstand mit den Worten: „Menschen, die auf die Geschichte vorbereitet sind, erscheinen mir verdächtig.“ Seinen ersten großen Auftritt als Präsident hatte Václav Havel mit seiner Neujahrsansprache am 1. Januar 1990, die er erst am letzten Tag des Jahres 1989 zwei Tage nach seinem Amtsantritt eilig verfasst hatte. Sie gilt bis heute als die beste Ansprache, die je ein tschechischer bzw. tschechoslowakischer Präsident gehalten hat.[1]

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Polen

Rozmowa z dr. Karolem Mazurem z Muzeum Powstania Warszawskiego. Gespräch mit Dr. Karol Mazur vom Museum des Warschauer Aufstands.

Dr. Karol Mazur vom Warschauer Museum des Warschauer Aufstands im Leipziger Bundesverwaltungsgericht. Fotos: KWM

Gespräch mit Herrn Dr. Karol Mazur vom Museum des Warschauer Aufstands am Rande seiner kommentierten Führung durch die Ausstellung über den Warschauer Aufstand, die vom 30. März bis 8. Mai 2026 im Leipziger Bundesverwaltungsgericht zu sehen war.

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Polen

Żydzi w powstaniu warszawskim: między braterstwem broni i antysemityzmem. Juden im Warschauer Aufstand: Zwischen Waffenbrüderschaft und Antisemitismus

Befreiung jüdischer Gefangener aus dem Lager Gęsiówka durch Angehörige der Heimatarmee am 5. August 1944. Foto: Wikimedia Commons

Der Beitrag jüdischer Kämpfer beim Warschauer Aufstand war bislang nur vereinzelt Gegenstand wissenschaftlicher und publizistischer Arbeiten. Dies sei teilweise auf die Einschränkungen zurückzuführen, die der Geschichtsschreibung über den Warschauer Aufstand in der Zeit der Volksrepublik Polen auferlegt wurden. Doch es sein ungerechtfertigt, allein die Zensur hierfür verantwortlich zu machen, denn auch heute gehe die überwiegende Mehrheit der historischen Literatur zum Aufstand über diese Frage hinweg und beschränke sich auf allgemeine Angaben, deren Inhalt ständig wiederholt werde, kritisieren Barbara Engelking und Dariusz Libionka. Im Gegensatz zu den meisten polnischen Aufständischen sei die Teilnahme am Warschauer Aufstand für die Juden nicht die prägendste Erfahrung ihrer Generation gewesen. Viele von ihnen wurden später Soldaten der israelischen Armee. Für sie war ihre polnische Vergangenheit jahrzehntelang nur eine Episode in ihrem Leben.[1]

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Polen

Polacy – Żydzi: Czarne karty Powstania Warszawskiego. Polen und Juden. Die dunkle Seite des Warschauer Aufstands.

Das Thema der Morde an Juden durch Aufständische wurde 1994 von dem Journalisten und Publizisten Michał Cichy, der über einen längeren Zeitraum mit dem United States Holocaust Memorial Museum zusammenarbeitete, in einem vielzitierten Beitrag in der Tageszeitung Gazeta Wyborcza ins öffentliche Bewusstsein gerückt. Cichys Artikel wird bis heute gelegentlich als Beweis für die angeblich polenfeindliche Ausrichtung des Blattes ins Feld geführt. Der Beitrag erschien im Vorfeld des 50. Jahrestages des Warschauer Aufstands, also zu einem sehr emotionalen Zeitpunkt.

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Polen

Miasto 44 – Mit Powstania Warszawskiego w filmie. Warschau ’44 – Der Mythos des Warschauer Aufstands im Film.

Der Film über den Warschauer Aufstand Warschau ’44schlug in Polen in jeder Beziehung alle Rekorde. Für die Spezialeffekte wurde die erste Garde aus Hollywood eingeflogen, über 3000 Statisten kamen am Set zum Einsatz. Die beeindruckenden Kulissen wurden von zehn verschiedenen Teams gebaut, die die zerstörte Stadt mithilfe von 5000 Tonnen Schutt inszenierten. Bei den landesweiten Castings zur Besetzung der Rollen nahmen über 7.000 Bewerberinnen und Bewerber teil. Wir wollten neue Gesichter, um den Zuschauern Charaktere zu bieten und nicht allein bekannte Namen, Regisseur Jan Komasa.[1] Bislang gab es im polnischen Kino nichts Vergleichbares. Hollywood an der Weichsel. Nicht ganz, denn das alte Warschau gibt es nicht mehr. Gedreht wurde der Film hauptsächlich in Łódź (Lodsch) undWrocław (Breslau). Wir haben uns bei der Nachbildung Warschaus von den Erfordernissen des Kinos leiten lassen, nicht von der Sicht von Historikern und Heimatkundlern. Was zählte, war die allgemeine Atmosphäre, nicht die detailgetreue Wiederauferstehung der Hauptstadt, erklärt Produzent Michał Kwieciński. So wurde ein altes Warschau geschaffen, wie es bisher noch niemand filmisch in Szene zu setzen vermochte, zum Glück ohne die Stadt zum Schauplatz für einen trivialen Hollywood-Zirkus zu machen, so der Filmkritiker Janusz Wróblewski.[2] Nach beinahe achtjährigen Vorbereitungs- und Dreharbeiten fand die Premiere von Warschau ’44 am 30. Juli 2014 im Vorfeld des 70. Jahrestags des Aufstands im Warschauer Nationalstadion vor 15.000 Zuschauern statt, darunter auch am Aufstand Beteiligte.

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Polen

Sierpniowe dziewczęta. O micie równoprawności na barykadach. Augustmädchen. Vom Mythos der Gleichberechtigung auf den Barrikaden.

Nach der Kapitulation. Soldatinnen der Heimatarmee auf dem Weg in die deutsche Gefangenschaft. Foto: IWM (MH 4491)

Die Rolle der Frauen innerhalb der polnischen Konspiration und im gegenwärtigen Aufstand ist bekannt. Die beim WSK [Referat Wojskowa Służba Kobiet, Referat für Frauen im Militärdienst, KWM] registrierten Frauen machen rund ein Siebtel der Heimatarmee aus. Sie leiten Sanitätspunkte, Verbindungspunkte, Lazarettstellen und einige gibt es sogar in Kampfeinheiten. Allein im Stadtteil Śródmieśce bestehen 46 Sanitätsstellen und mehr als 50 Feldküchen, deren Personal 500 Personen übersteigt. […] In den Reihen des WSK sind Frauen im Alter von 14 bis 60 Jahren aus allen Schichten der Gesellschaft vertreten: Arbeiterinnen, Angestellte, Schülerinnen und Lehrerinnen. Für den Kampfgeist und die Hingabe in den Reihen des WSK spricht die Tatsache, dass dem Aufruf zur Mobilisierung unter den Frauen vor dem Aufstand zu einhundert Prozent Folge geleistet wurde, heißt es in der Zeitung Kobieta na Barykadzie (Die Frau auf der Barrikade), die während des Aufstands im umkämpften Warschau herauskam.[1] Insgesamt erschienen im August 1944 vier Ausgaben, darunter eine Doppelausgabe. Chefredakteurin war Stefania Krasowska. Die erste Ausgabe wirkt hinsichtlich ihrer Druckqualität noch sehr improvisiert.

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Polen

„Litości, feministki! To nie było powstanko.” „Habt Erbarmen, Feministinnen! Das war kein kleiner Aufstand.“

Die weibliche Bezeichnung żołnierka, also „Soldatin“, wird in Beiträgen über die Rolle von Frauen in der Heimatarmee kaum verwendet. Das gilt auch für die Erinnerungen von Teilnehmerinnen des Warschauer Aufstands, die sich bis heute als „Soldaten“ sehen.[1] Gelegentlich findet, wenn explizit auf Soldatinnen referiert wird, etwa in der Aufstandspresse, das Binomen kobieta-żołnierz, wörtlich „Soldatenfrau“ bzw. dziewczyna-żołnierz, wörtlich „Soldatenmädchen“, Verwendung. Beide bezeichnen im Polnischen „Soldatinnen“ und nicht wie im Deutschen die Ehefrau eines Soldaten bzw. ein Mädchen, das einen Soldaten zum Freund oder eine Schwäche für Soldaten hat. Den Binomen wird teilweise auch in aktuellen Publikationen der Vorzug gegenüber żołnierzka gegeben, selbst wenn diese von Autorinnen stammen.[2]

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Polen

Nie ma na czym zbudować legendy: Przemoc seksualna w Powstaniu Warszawskim. Nichts, worauf sich eine Legende gründen ließe: Sexualisierte Gewalt im Warschauer Aufstand

Agnieszka Przepiórska als Irena K. im Monodrama Die Überlebenden. Foto: Agnieszka Michałowska/Teatr Powszechny

Sexualisierte Gewalt, deren Opfer in den allermeisten Fällen Frauen und Kinder und deren Urheber/Täter fast immer Männer sind, gehört seit Jahrhunderten zu den „Begleiterscheinungen“ militärischer Konflikte. Im Schatten der historischen Schilderungen über die großen Schlachten, von Karthago bis Stalingrad, ist sexualisierte Gewalt oft nur eine Randnotiz, wenn überhaupt, und wurde „als unvermeidbares Nebenprodukt von Kriegen verharmlost.“[1] Im Jahr 1945 mussten Tausende deutsche Frauen mit ihren Seelen und Körpern für einen Krieg bezahlen, den deutsche Männer zu verantworten hatten, wofür sie in den meisten Fällen nie zur Rechenschaft gezogen wurden. Inzwischen gilt sexualisierte Gewalt infolge einer zunehmenden Sensibilisierung der Öffentlichkeit durch die Medien als „Kriegswaffe,“ „Kriegstaktik“ und „Völkerstraftat“ sowie völkerrechtlich strafbares Kriegsverbrechen. Die während des Warschauer Aufstands von den deutschen Besatzern und ihren Verbündeten verübten Formen sexualisierter Gewalt sind erst in den letzten Jahren ins Bewusstsein der Gesellschaft vorgedrungen.

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Polen

Powstanie Warszawskie i mit Konia Trojańskiego. Der Warschauer Aufstand und der Mythos des Trojanischen Pferdes.

Gedenktafel für die Opfer der Explosion am 13. August 1944 in der Kiliński-Straße aus den 1950er Jahren. Foto: Wikimedia Commons

Eine Falle der Deutschen. 300 Menschen kamen bei der Explosion ums Leben, so titelte das Portal Do Rzeczy/Historia am 13. August 2013. Dass die Interpretation des Hergangs als „Falle“ zumindest umstritten ist, wird erst gegen Ende des Beitrags erwähnt.[1] Dieses Ereignis war nicht das größte Massaker des Warschauer Aufstands. Im Stadtteil Wola ermordeten die Deutschen an einem einzigen Tag 20.000 wehrlose Zivilisten und in der am 31. August bombardierten Kasimirkirche am Neustädter Ring starben etwa tausend  Personen unter den Trümmern.  Dennoch wird die Explosion in der Kiliński-Straße in der Warschauer Altstadt immer wieder als eine der schrecklichsten Tragödien der im Sommer 1944 von Tragödien heimgesuchten Stadt genannt. Dazu trugen die von Zeugen überlieferten Berichte über jubelnde Menschen bei, die sich über die Eroberung eines „Panzers” freuten und dann bei dessen Explosion in Stücke gerissen wurden.[2] In dem vermeintlichen Panzer hatten die Deutschen angeblich eine Bombe platziert, die genau in dem Moment detonierte, als Hunderte Schaulustige das Beutefahrzeug bestaunten. Das Ereignis ging als „Panzerfalle“ bzw. „Panzer als Falle“ (czołg pułapka) in die Mythologie des Aufstands ein. Jahrzehntelang gab der Vorfall Rätsel auf und sorgte für Diskussionen, da nicht klar war, ob die Deutschen den Aufständischen tatsächlich ein Trojanisches Pferd untergeschoben hatten, ob die Aufständischen selbst für die Explosion verantwortlich waren oder ob es am 13. August 1944 zu einem tragischen Unglücksfall kam, für den niemand die Schuld trägt. Dieser Tag wird seit 1992 als Gedenktag der Altstadt begangen (Dzień Pamięci Starówki).

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Polen

Król na wędrowce. Ein König auf Wanderschaft.

Jan III. Sobieski. Die Ankunft des Königs. Foto: KWM

Der polnische König und Großfürst von Litauen Jan III. Sobieski kannte den Brauch der Reiseherrschaft höchstens aus den Erzählungen seiner Vorfahren. Während seiner Regentschaft im 17. Jahrhundert hatten es sich die Monarchen an einem Platz kuschelig eingerichtet, heute Hauptstadt genannt, und erledigten von dort die Regierungsgeschäfte. Im Mittelalter übten noch viele Monarchen diese Herrschaftsform aus. Unsere Vorstellung vom König, der mit Zepter und Krone in seinem Schloss thronte, entspricht also nicht ganz der historischen Realität. Tatsächlich zogen Kaiser und Könige im Sattel durch ihr Herrschaftsgebiet. Besonders angenehm und komfortabel war dieses Umherziehen nicht immer. Vor allem im Winter, der in den nördlichen Gefilden des Heiligen Römischen Reichs unangenehm frostig sein konnte.

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Österreich Polen

Różne spojrzenia na wydarzenia pod Wiedniem w roku 1683. Verschiedene Sichtweisen auf die Ereignisse von 1683 vor Wien.

Der Wiener Universitätsprofessor Reinhold Lorenz (nach 1945 durfte er dieses Amt wegen seiner Verbindung zum Nationalsozialismus nicht mehr ausüben) beschreibt die Auseinandersetzung beim Kahlenberg 1683 als Zusammenstoß zweier Kulturen und als Zusammenstoß zweier Reiche: “Doch noch einmal raffte der Islam alle Kräfte zu einem entscheidenden Unternehmen auf, und bei seinem Gelingen hätte das Ende der Kulturmenschheit gedämmert – es war der Türkenzug gegen Wien im Jahre 1683. […] Der Kampf um Wien im Jahre 1683 aber – als Entscheidung zwischen dem deutschen und osmanischen Reiche, hinter denen die Weltherrschaftsideen von West- und Ostrom, zwischen Christentum und Islam, stehen, eine der größten historischen Tatschen überhaupt – ist als Ereignis der deutschen Geschichte ein Sinnbild für die Größe und die Rangordnung der Aufgabe, die durch Österreich für die ganze Nation gesetzt sind.”[1]